Mónica Francés

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Mónica Francés, Foto: Andrea Edel. The Urban Notebook, Heidelberg, 2018

 

Sag es

 

Ich warte seit Jahren darauf, es jemanden

sagen, klar und deutlich aussprechen zu hören.

 

All das Leben, das mein Leben ist. Sag es. Sei dem Leib,

der ich bin, wie man sagt, das Gegenstück. Die Verachtungs-

grannen sind mit ihm, dem bezeichneten Ding da in der Hocke.

Sag es. Das vom Arm seines Klöppels herrührende

Läuten der Glocken und das Schweigen der Lunge. Sag’s.

Die Bezeichnung der Blume – der Strohblume – die nicht

verblüht. Das, worauf Kinder zeigen und die anderen

herbeirufen, um es zu sagen. Wie gut, dass es heut so weit ist,

sie werden es mir jetzt sagen. Wenn du nicht auf das hörst, was

ich denke, dann sag’s. Als würdest du’s nicht wollen oder

nur so, wie man Spruchbänder liest, die Kante eines dir ab-

gewandten Rückens. Sag, dass Amnestie herrscht, erlassen

von der Regierung des Schlafs. Hush now

 

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Carmen Canet

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©Foto: Joaquín Puga

 

Carmen Canet geboren 1955 in Almería, Lyrikerin, Aphoristikerin  und Literaturkritikerin, lebt in Granada. Sie promovierte in Hispanistik an der Universidad de Granada und ist Autorin der Aphorismen-Bände: Malabarismos (Valparaíso, 2016); Luciérnagas (Renacimiento, 2018) und von literarischen Führungen zu Federico García Lorca, Ángel Ganivet und Elena Martín Vivaldi, en Granada. Continuar leyendo “Carmen Canet”

Trinidad Gan

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Trinidad Gan by Teresa Díaz Gan

 

Organischer Stoff

 

Der Spiegel ist in Scherben zu Boden gefallen.

Es war ein Stück Fläche, Kristall und fragil,

an die Wand eines dunklen Zimmers

ungeschickt angelehnt und gebrochen

im Schrei der Stunden.

Auf den silbrigen Tropfen seines allmählich beruhigten Wassers

sehe ich Buchrücken schweben, Wände und Hausfassaden,

eine Wiege, die wuchs, bis sie ein Baum sein würde.

Abwesende Freunde und Körper,

Lachen, Wahnsinn, Verrat,

Liebe und ein paar Schiffe, die havarierten. Continuar leyendo “Trinidad Gan”

Ángeles Mora

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Archivo de la Autora

 

Sommers

 

Immer schon, wenn die Angst mich umklammert,

hab ich versucht, mutig zu sein.

In der unendlichen Siesta meiner Kindheit

im Inneren des Hauses, während der Schwüle der Abende

summten zögernde Stimmen, Echos der Älteren,

Fragmente schlaftrunkener

                                             Konversationen

aus Schaukelstühlen. Continuar leyendo “Ángeles Mora”