Cristina Gutiérrez Leal

800_350-CRISTINA GUTIERREZ LEAL página-nueva-3
Cristina Gutiérrez Leal / Página nueva

 

und wir verabschieden uns mit dem vagen Gefühl,

überlebt zu haben ohne zu wissen wozu.

Cristina Peri Rossi

 

Vor dem Spiegel bleibt der Blick stehen, der

alles sagen möchte

durchdringen möchte die kristallhelle Iris, die Hornhaut.

Die Augen sind das Sehen nicht mehr gewöhnt, sie müssen

Wurfpfeilen ausweichen

 

Im Spiegel kehrt das Bild von jemandem zurück,

der etwas vergessen hat,

und ewig scheint

alles allzu ruhig Continuar leyendo “Cristina Gutiérrez Leal”

Luis Enrique Belmonte

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Luis Enrique Belmonte. Foto: Enio Escauriza

 

Geplündertes Haus

 

Uns wurde das Besteck gestohlen,

die von Großmutter geflickte Tischdecke, der Blumentopf mit dem Riss

auch

die alten verkratzten Schallplatten von Gardel und Nat King Cole,

leise Geräusche, die Regenrinne im Morgengrauen, sie haben

die Plastikblumen mitgenommen, den kleinen Clown aus Holz ohne Arme.

Verschwunden ist der Schmerz aus den Ecken, der alten Fleck

in Form eines schwarzen Schmetterlings, oben von der Decke.

Ebenfalls weg:

die reparierte Blumenvase, es hatte ihr eine kleine Stelle gefehlt,

und die Raupe, vorzeitig mumifiziert,

man brachte sie in eine Kuriositätensammlung, auch die getrocknete Rose

aus dem Tagebuch meiner verliebten Schwester, auch sie. Continuar leyendo “Luis Enrique Belmonte”

Mónica Francés

previa tun-sag es sw

Mónica Francés, Foto: Andrea Edel. The Urban Notebook, Heidelberg, 2018

 

Sag es

 

Ich warte seit Jahren darauf, es jemanden

sagen, klar und deutlich aussprechen zu hören.

 

All das Leben, das mein Leben ist. Sag es. Sei dem Leib,

der ich bin, wie man sagt, das Gegenstück. Die Verachtungs-

grannen sind mit ihm, dem bezeichneten Ding da in der Hocke.

Sag es. Das vom Arm seines Klöppels herrührende

Läuten der Glocken und das Schweigen der Lunge. Sag’s.

Die Bezeichnung der Blume – der Strohblume – die nicht

verblüht. Das, worauf Kinder zeigen und die anderen

herbeirufen, um es zu sagen. Wie gut, dass es heut so weit ist,

sie werden es mir jetzt sagen. Wenn du nicht auf das hörst, was

ich denke, dann sag’s. Als würdest du’s nicht wollen oder

nur so, wie man Spruchbänder liest, die Kante eines dir ab-

gewandten Rückens. Sag, dass Amnestie herrscht, erlassen

von der Regierung des Schlafs. Hush now

 

                                                                   speechlessness Continuar leyendo “Mónica Francés”

Astrid Lander

astrid lander por vasco szinetar DSC_0138.jpg
Foto Vasco Szinetar

 

Astrid Lander, geboren 1962 in Caracas, Lyrikerin und Professorin für Sprache und Kulturwissenschaft an der Universidad Metropolitana. Autorin der Lyrikbände: La distancia por dentro (1994); AzuLejos (1997); SÉ ES. Poemas novelados (1999); Buen Camino (2008).

 

Einen Weg gehen, wie man ein Gedicht schreibt Continuar leyendo “Astrid Lander”